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Die arabischen Welten im Visier |
SIERSHAHN. Mit der arabischen Welt ist derzeit eine Region im Aufbruch – doch wohin? Ist dieser Aufbruch eine Gefahr oder eine Bereicherung für Europa? Der Bundestagsabgeordnete Joachim Hörster gab im Bürgerhaus in Siershahn einen detaillierten Einblick in die aktuelle Lage der arabischen Länder und erläuterte die Konsequenzen des sogenannten arabischen Frühlings.
Ortsbürgermeister und CDU Ortsverbandsvorsitzender Alwin Scherz freute sich, mit Joachim Hörster einen Experten gefunden zu haben, der unter Berücksichtigung der verschiedenen Regime und Religionen den erwachten Demokratiegedanken der arabischen Welt ins rechte Licht rückte.
Joachim Hörster, ein Kenner der Region, war erst vor wenigen Wochen als Wahlbesucher in Tunesien und konnte sich so ein gutes Bild der aktuellen Lage machen. „In Tunesien ist die Bevölkerung sehr tolerant, auch gegenüber Andersdenkenden und Andersgläubigen. Es gibt hier eine breite gebildete Schicht, die eher nach Europa orientiert ist“, erläuterte Hörster.
„In anderen Ländern wird bloß nach Demokratie gerufen um sich einen Platzvorteil zu verschaffen. So geht es zum Beispiel in Libyen und dem Jemen vorwiegend um die Machtstellung der verschiedenen Stämme und Gruppierungen innerhalb des Landes.“
Der unterschiedlich hohe Analphabeten Anteil und soziale Konflikte erschweren den Weg des demokratischen Prozesses in diesen Ländern zusätzlich. Oft halten hier die Militärs die Fäden innenpolitisch fest in der Hand und sind nicht gewillt, eine Aufteilung oder Verringerung ihrer Macht hinzunehmen.
Besondere Berücksichtigung müssen zudem die sehr unterschiedlichen Strukturen der einzelnen Staaten in der Krisenregion erfahren. Während Saudi-Arabien einen großen Reichtum besitzt, verarmt der Nachbar Ägypten immer mehr.
Als eines der gut geführten Länder nennt Hörster das Sultanat Oman. Dort gibt es schon seit vielen Jahren Schulen sowohl für Jungen als auch für Mädchen, denen im Anschluss sogar ein gemeinsames Studium an den Universitäten möglich ist. Frauen haben die Möglichkeit anerkannte Berufe zu ergreifen, können wählen und gewählt werden.
Dem Westen gegenüber ähnlich aufgeschlossen erscheint auch Jordanien. Die politische Situation in Syrien weiterhin sehr bedenklich. Hier kann zurzeit noch keine Prognose über eine mögliche künftige Entwicklung gemacht werden.
Auch Christenverfolgung und Religionsfreiheit in der Region waren ein wichtiges Thema des Abends. Hierzu erklärte Joachim Hörster, dass im Irak nach der Befreiung durch die Amerikaner im Jahr 2003 etwa 2 Millionen Christen lebten. Heute sind es weniger als 300.000 Christen, die immer wiederverfolgt, gefoltert und ihres Glaubens wegen ermordet werden.
Schritt für Schritt stattete der Bundestagsabgeordnete den arabischen Staaten einen gedanklichen Besuch ab, um letztlich auch ein persönliches Fazit zu ziehen: Den vielzitierten arabischen Frühling gibt es eigentlich gar nicht, da die Entwicklungen in den einzelnen Ländern individuell und strukturell unterschiedlich stattfinden. Daher müsse auch jedes Land gesondert behandelt werden, folgerte Hörster. Für eine funktionierende Demokratie sei es von entscheidender Bedeutung, dass das Land diese Entwicklung wirklich wolle und unterstütze. „Erst und nur dann ist eine Umwandlung möglich.“
Abschließend zu seinem Vortrag stand Hörster unter Moderation der stellvertretenden CDU-Bezirksvorsitzenden Marion Krätz-Klein den vielen Fragen der interessierten Zuhörer Rede und Antwort.
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